Kurz gefragt: Stefan Pfeifer zu Systems Engineering

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In dieser Rubrik stellen wir Experten des Fraunhofer IEM jeweils drei Fragen zu bestimmten Themen ihres Fachbereichs. Dabei gehen dabei auch auf die Möglichkeiten ein, wie unsere Experten innerhalb der IEM Academy beim Aufbau von spezifischem Know-How bei Unternehmen und Mitarbeitenden mitwirken.  

Stefan Pfeifer
© Fraunhofer IEM
In der Rubrik "Kurz gefragt" stellen wir Stefan Pfeifer, Experte für Systems Engineering am Fraunhofer IEM, drei Fragen zu bestimmten Themen seines Fachbereichs.

Fraunhofer Academy: Hallo Stefan, was zeichnet den Systems Engineer der Zukunft aus?

Erst einmal stehen nicht nur Systemingenieure allein, sondern alle Entwickler*innen vor der Herausforderung, dass die technischen Systeme immer komplexer werden. An aktuellen Entwicklungsvorhaben sind daher neue Fachdisziplinen beteiligt, mit denen vorher oft keine Berührungspunkte vorhanden waren. Außerdem ändern sich Prozesse und bewährte Verfahren z.B. zur Absicherung und Qualitätsabsicherung sind nicht mehr ausreichend. Die Kommunikation und Kollaboration haben ihre Tücken und gestaltet sich zunehmend schwieriger. Die Bewältigung dieser gestiegenen Engineering-Komplexität erfordert daher mitdenkendes Personal, ein hohes Kooperationsvermögen sowie Denken und Handeln in End-to-End-Prozessen. Dies gilt insbesondere für Systemingenieure. Als eine Art Coach oder Berater haben sie die Aufgabe für einen optimalen Ablauf der einzelnen Entwicklungstätigkeiten zu sorgen und als Ansprechpartner für Entwickler*innen zur Verfügung zu stehen. Systemingenieure müssen daher gute Kommunikations- und Teamfähigkeiten besitzen. Außerdem müssen sie in der Lage sein, Problemstellungen zu abstrahieren und die zu entwickelnden komplexen Systeme in Ihrer Funktionsweise zu verstehen. Dies setzt die Fähigkeit des Systemdenkens voraus.

Fraunhofer Academy: Welche Hürden bestehen für Unternehmen bei der Einführung von SE?

Bei der Einführung von Systems Engineering stehen die Unternehmen, unserer Erfahrung nach, vor einer Vielzahl von Herausforderungen. Oft genannte Hürden unserer Kunden sind hier beispielsweise Silodenken in den einzelnen Fachabteilungen und mangelnde Unterstützung des Managements. Außerdem haben viele Abteilungen und Führungskräfte die Sorge vor Kompetenzverlust, was zu mangelnder Interdisziplinarität in der Zusammenarbeit führt. Ein weiterer Punkt ist sicherlich auch ein fehlendes, breites Verständnis für das Thema Systems Engineering. Dies führt zusätzlich dazu, dass der mit der Einführung verbundene Aufwand falsch eingeschätzt und der Mehrwert nicht erkannt wird. Die unzureichende Berücksichtigung des Changemanagements stellt bei der Einführung ebenfalls ein häufiges Problem dar.

Fraunhofer Academy: Was bedeutet die Einführung von SE für das Aus- und Weiterbildung von Unternehmen?  

Wie schon gesagt, ist eine große Hürde bei der Einführung von Systems Engineering ein fehlendes, breites Verständnis für dieses Thema. In der Ausbildung von Entwickler*innen wird das Thema Systems Engineering oft immer noch ungenügend adressiert. Neue Lehrformate sollten daher darauf abzielen das Bewusstsein für die Wichtigkeit von interdisziplinärer Zusammenarbeit und Kommunikation zu erhöhen und damit Kernelemente des Systems Engineerings vermitteln. Natürlich können aber nicht alle erforderlichen Kompetenzen in der erforderlichen Reife ausschließlich durch das Studium vermittelt werden. Gleichzeitig müssen die viele Entwickler*innen in den Unternehmen auch im Beruf weitergebildet werden können, ohne dass es zu längeren Ausfallzeiten durch Lernprogramme kommt. Einen guten Einstieg in das Thema Systems Engineering bietet vor diesem Hintergrund bspw. unsere Schulung „Grundlagen des Systems Engineerings“ (Nächster Termin 15.03. - 16.03.2022). Hier können Interessierte erfahren welche Vorteile es bietet »in Systemen zu denken«. Anhand von Praxisbeispielen können unterschiedliche Einsatzmöglichkeiten von Methoden und Ansätzen des Systems Engineerings kennen gelernt und angewendet werden.