Wir feiern Jubiläum, doch: What’s next?
15 Jahre Fraunhofer IEM. Was als kleine Projektgruppe begann, ist heute ein Institut mit 300 kreativen Köpfen und einem Haushalt von knapp 20 Millionen Euro. Mission erfüllt? Noch lange nicht, sagen unsere Direktoren Prof. Ansgar Trächtler, Prof. Eric Bodden und Prof. Roman Dumitrescu im Gespräch. Wir haben ihnen dazu zentrale Fragen gestellt – und ihre Antworten hier gebündelt. Ganz nach unserem Motto „Engineering the Future“ richten wir zum Jubiläum zunächst den Blick nach vorn: What’s next?
2026: Wohin geht die Reise?
Innovation für mehr Wettbewerbsfähigkeit.
In einem sich wandelnden Umfeld stellt sich für uns vor allem eine Frage: Wie sichern wir die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands und Europas? Für Roman Dumitrescu liegt der Schlüssel in der Entwicklung komplexer technischer Systeme. „Das ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr“, sagt er. Anspruchsvolle Produkte entstünden weltweit – unser Ziel sei es, diese Innovationskraft in Deutschland und Europa zu verankern: „Wir beschäftigen uns mit einem der wesentlichen Kernthemen: dem Engineering, dem Entwickeln, dem Neuerfinden technischer Produkte. Genau da setzt Innovation an." Konkrete Projekte und Ansätze treiben wir derzeit im Leistungszentrum Engineering Automation voran.
„Es geht um die digitale Souveränität.“
So betont es Eric Bodden – und zwar in ihren unterschiedlichen Ausprägungen. Unser Forschungsbereich Softwaretechnik und IT-Sicherheit beschäftigt sich aktuell mit der Frage, wie KI die Softwareentwicklung verändert – und wie Unternehmen KI-basierte Software eigenständig und sicher nutzen. Dazu gehören auch neue Regulatorien wie der Cyber Resilience Act der EU, sowie die digitale Unabhängigkeit, die wir etwa durch die Entwicklung sicherer Open-Source-Lösungen für Wirtschaft und Verwaltung vorantreiben.
Produktionsstandort Deutschland sichern.
Damit produzierende Unternehmen weiterhin wettbewerbsfähig sind, setzen wir auf aktuelle Automatisierungstechnologien, die wir praxisnah und pragmatisch auch mit kleinen und mittleren Unternehmen umsetzen. Dazu gehören Themen wie kollaborierende Robotik, neue Mensch-Maschine-Schnittstellen und humanoide Robotik. Ansgar Trächtler berichtet vom Aufbau unseres neuen Humanoid Robots Interaction Lab an der Zukunftsmeile. Angesichts von Fachkräftemangel und steigenden Automatisierungsanforderungen sehen wir im "klugen Kollegen Roboter" einen vielversprechenden Ansatz für flexible Unterstützung in Produktion und Dienstleistung.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten …
Spitzenforschung braucht Förderung.
Ansgar Trächtler wünscht sich ein starkes Bewusstsein in der Politik, dass Spitzenforschung und der Aufbau erfolgreicher Kooperationen und Netzwerke auch entsprechender Mittel bedarf: „Ich wünsche mir mehr Förderprogramme in Zukunftsthemen und Technologien – und in starke Innovationsnetzwerke wie zum Beispiel it’s OWL – dem Vorzeigebeispiel von gelebter Kooperation in unserer Region.“
„Ich investiere am liebsten in unser Team.“
Eric Bodden betont: „Unsere Forschung lebt von unseren kreativen Köpfen – und die gilt es zu fördern.“ Gerade in Zeiten von KI und Automatisierung braucht es gut ausgebildete Entwickler:innen und Ingenieur:innen, die neue Werkzeuge souverän einsetzen und weiterdenken können. Denn am Ende entsteht Innovation nicht allein durch Technologie – sondern durch Menschen, die sie gestalten.
Kompetenzen von klein auf fördern.
So oder ähnlich würde das Investitionsprogramm von Roman Dumitrescu heißen: „Ich würde da nicht erst bei Studierenden ansetzen, sondern viel früher. Es gilt, unseren Forschungsnachwuchs schon früh für MINT-Themen und das Engineering zu begeistern und Kompetenzen zu fördern. In Deutschland arbeiten wir noch zu sehr mit Zertifizierung und Nachweisen. Aber ich glaube, dass Kompetenz durch Begeisterung für ein Thema entsteht. Der Rest kommt von selbst.“
Das Fraunhofer IEM im Jahr 2050 …
Schafft KI uns ab?
„Ich weiß nicht, ob es 2050 unsere Forschungsthemen so überhaupt noch gibt“, sagt Roman Dumitrescu mit Blick auf die zahlreichen Automatisierungsmöglichkeiten durch KI. Auch Eric Bodden stellt diese Frage und macht konkrete Beispiele, wie KI künftig zentrale Aufgaben in der Softwareentwicklung übernimmt. Beide sind sich aber einig: Unsere Arbeit wird dadurch nicht wegfallen. Sie wird ihren Fokus verändern und weiterhin zentrale Fragen beantworten: Wie entwickeln wir sichere KI-Systeme? Wie behalten wir die Kontrolle und Transparenz über unsere KI-Systeme? Und wie nutzen wir die KI so, dass unsere menschliche Schaffenskraft nicht überflüssig wird, sondern immer besser?
Engineering the Future: Das, was uns im Kern ausmacht.
Unsere Direktoren sind sich einig: Die Entwicklungsarbeit wird sich grundlegend verändern. „Nicht die KI forscht für uns, sondern wir erforschen, wie wir KI effizienter einsetzen“, sagt Roman Dumitrescu. Eric Bodden betont unseren Auftrag, diese Transformation aktiv mitzugestalten – gemeinsam mit Unternehmen neue Wege zu entwickeln und Rollen sowie Aufgabenprofile weiterzudenken. Für Ansgar Trächtler liegt die Antwort auf diese Veränderungen vor allem in unserem Team: interdisziplinär, methodisch stark und offen für neue Impulse. Er lädt dazu ein, unser Leitmotiv wörtlich zu nehmen: Engineering the Future.
Fraunhofer-Institut für