Fraunhofer IEM arbeitet an einer europäischen Software-Entwicklungsplattform für die Mobilität der Zukunft

News / 26.7.2019

Software-Entwickler in der Automobil- und Luftfahrzeugindustrie stehen künftig vor großen Herausforderungen: Die Mobilität der Zukunft ist elektrifiziert, automatisiert und hochgradig vernetzt. Im europäischen Verbundprojekt PANORAMA erarbeitet das Fraunhofer IEM eine Open Source-Plattform für die Entwicklung künftiger Softwarefunktionen.

© Eclipse Foundation Europe GmbH
© Fachhochschule Dortmund
Panorma concept sketch

Ob Auto oder Flugzeug: Bis 2030 legen wir bis zu 37% aller gefahrenen Kilometer mit autonomen Fahrzeugen zurück, sagen Studien. Ermöglicht wird diese Autonomie durch ein komplexes Zusammenspiel rechenintensiver Software und spezialisierter eingebetteter Hardware (sogenannte E/E-Architekturen). Das Verbundprojekt PANORAMA verfolgt das Ziel, die Design- und Entwicklungsprozesse dieser komplexen E/E-Architekturen zu optimieren. Dazu entwickelt ein europäisches Konsortium aus Forschung und Industrie modellbasierte Methoden und Werkzeuge und stellt sie Open Source auf einer Integrationsplattform bereit. Die Vision ist eine kollaborative und effiziente Entwicklung von E/E-Architekturen zwischen unterschiedlichen Partnern der automobilen Wertschöpfungskette. PANORAMA fokussiert insbesondere die frühen Phasen des Designs und unterstützt effiziente Entwurfsentscheidungen, indem es offene de facto Standards, Tools und Best Practices für den Austausch nicht funktionaler, formaler Modelle definiert.

Das Fraunhofer IEM bearbeitet im Verbundprojekt zwei Forschungsschwerpunkte:

  • Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler entwickeln Assistenzsysteme, die eine semi-automatische Vervollständigung inkonsistenter, modellbasierter Systemmodelle mittels Verfahren der künstlichen Intelligenz erlauben. Anwendungsbeispiele sind Softwareanforderungen, die in Form von formalen, Szenario-basierten Modellen vorliegen oder auch Traceability-Modelle.
  • Zusätzlich entstehen Best Practices und Methoden, um sensible Daten beim Modellaustausch in kollaborativen, d.h. insbesondere Unternehmens-übergreifenden Entwicklungsvorhaben, zu schützen.

Hintergrund: Herausforderung E/E-Architekturen

Die zentrale Herausforderung bei der Entwicklung von Electric / Electronic architectures, kurz E/E-Architekturen, ist die Verteilung von komplexen, rechenintensiven Softwarefunktionalitäten auf spezialisierte, eingebettete Hardwaresysteme. Automobilsysteme unterliegen folglich einem radikalen Wandel sowohl in der Art der Zusammensetzung von Software und Hardware als auch in Bezug auf die Design- und Entwicklungsprozesse. Es entstehen drei zentrale, heterogene Spannungsfelder, denen sich das Projekt PANORAMA widmet:

  • Zukünftige Entwicklungsprozesse werden kollaborativ durch mehrere heterogene Partner (OEM, Tier-1- und Tier-2-Zulieferer) entlang der Wertschöpfungskette gestaltet. Insbesondere Softwareanbieter, Domänenexperten und Dienstleister werden zukünftig stärker in den Entwicklungsprozess involviert
  • Der Einsatz von heterogener, d.h. spezialisierter und vernetzter Hardware (z.B. AI-Accelerator zur Realisierung von Deep Learning) wird notwendig
  • Bisweilen separierte Funktionsbereiche (z.B. Antrieb, Komfort, Multimedia, …) werden innerhalb zentraler Hardwareplattformen integriert

Zum Projekt PANORAMA

Das Verbundprojekt PANORAMA wird von April 2019 bis März 2022 im Rahmen von ITEA3 durch das BMBF in Deutschland gefördert und hat ein Gesamtprojektvolumen von ca. 17 Mio.€ (Deutschland: ca. 7,1 Mio.€). Im Konsortium sind zurzeit die folgenden Unternehmen und Forschungseinrichtungen vertreten:

  • Deutschland: Robert Bosch GmbH, Siemens AG, Vector Informatik GmbH, Eclipse Foundation Europe GmbH, INCHRON GmbH, Fachhochschule Dortmund, Fraunhofer IEM, OFFIS e.V., Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg, Universität Rostock
  • Finnland: Siili Solutions Oyj, TactoTek
  • Portugal: Critical Software S.A., Instituto Superior de Engenharia do Porto
  • Schweden: Alten, Arcticus Systems AB, KTH (Royal Institute of Technology), Mälardalen University, Qamcom, Saab AB, University of Gothenburg
  • Türkei: AVL Turkey Research and Engineering Turkey, Mantis Software, UNIT Information Technologies R&D Ltd.