Den CO₂-Fußabdruck bilanzieren, verbessern und organisatorisch verankern

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Wie können Unternehmen den CO₂-Fußabdruck komplexer mechatronischer Produkte transparent erfassen, gezielt verbessern und das Ganze dauerhaft in ihre Prozesse integrieren? Im Projekt Product.Zero entwickelt das Fraunhofer IEM gemeinsam mit den Industriepartnern Remmert, CP contech electronic, Weidmüller und MSF-Vathauer Antriebstechnik Ansätze für eine teilautomatisierte CO₂-Bilanzierung, datenbasierte Dekarbonisierung und die langfristige Verankerung im Unternehmen.

© Fraunhofer IEM
Das Product.Zero Team startet mit dem erfolgreichen Kickoff Event in die Projektarbeit.

Product.Zero startet in die Projektphase

Am 28. Juli 2026 ist das Forschungsprojekt Product.Zero mit einem offiziellen Kick-off am Fraunhofer IEM in Paderborn in die gemeinsame Arbeitsphase gestartet. Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit stehen konkrete Pilotanwendungen: Für ausgewählte Produkte wird zunächst der Product Carbon Footprint (PCF) bilanziert. Darauf aufbauend sollen individuelle Dekarbonisierungs-Roadmaps für die nächste Produktgeneration entstehen und die notwendigen Prozesse im Unternehmen verankert werden. Dabei werden Potenziale zur Automatisierung der Bilanzierung und Verbesserung gesammelt und im Projekt prototypisch umgesetzt.

Die Herausforderung: Transparente CO₂ -Daten für Produkte

Unternehmen stehen zunehmend unter Druck, belastbare Nachhaltigkeitsinformationen zu ihren Produkten bereitzustellen. Regulatorische Anforderungen wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD), die Ecodesign for Sustainable Products Regulation (ESPR) und der Digitale Produktpass erhöhen den Bedarf an transparenten, vergleichbaren und belastbaren CO₂-Daten. Gleichzeitig fordern auch Kund:innen und Geschäftspartner immer häufiger konkrete Informationen zum Product Carbon Footprint.

Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist dies eine große Herausforderung. Die Bilanzierung von CO₂-Emissionen erfolgt heute häufig manuell, ist zeit- und kostenintensiv und lässt sich nur schwer auf ganze Produktfamilien übertragen. Hinzu kommt, dass mechatronische Produkte aus mechanischen, elektronischen und softwaretechnischen Komponenten bestehen und häufig über komplexe Wertschöpfungsketten entstehen. Dadurch sind viele Daten über unterschiedliche Akteure, Systeme und Lebenszyklusphasen verteilt. Product.Zero setzt genau hier an: Das Projekt betrachtet nicht nur die reine CO₂-Bilanzierung, sondern verbindet diese mit der datenbasierten Verbesserung von Produkten und der organisatorischen Verankerung in Unternehmen.

Expertise für Dekarbonisierung und CO₂ -Bilanzierung

Das Fraunhofer IEM übernimmt die Projektkoordination und bringt seine Expertise in den Bereichen Life Cycle Assessment, Product Carbon Footprinting, nachhaltiges Engineering, Strategie- und Transformationsmanagement sowie Change-Management ein.

Im Projekt entwickelt das IEM gemeinsam mit den Partnern ein Referenzvorgehen für standardisierte und reproduzierbare PCF-Studien. Ergänzend entsteht eine Architektur für eine Preprocessing-Datenpipeline, mit der Unternehmensdaten für die CO₂-Bilanzierung vorbereitet und perspektivisch teilautomatisiert verarbeitet werden können. Außerdem wird eine Schnittstelle konzipiert, über die Dekarbonisierungsmaßnahmen simuliert und Ergebnisse beispielsweise für Nachhaltigkeitsberichterstattung oder Digitale Produktpässe nutzbar gemacht werden können.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Identifikation und Bewertung von Dekarbonisierungsmaßnahmen für mechatronische Produkte. Dazu zählen sowohl klassische physische Maßnahmen, etwa Materialsubstitution oder konstruktive Anpassungen, als auch digitale Maßnahmen wie intelligente Betriebsmodi, Energiemanagement oder datenbasierte Verbesserung.

Damit die Ergebnisse nicht nur punktuell angewendet werden, entwickelt das Projekt zudem ein Change-Konzept mit KMU-Fokus. Dieses soll Unternehmen dabei unterstützen, PCF-Bilanzierung und CO₂-Verbesserung langfristig in Strategie, Prozessen, Rollen und Kommunikation zu verankern.

Von der Bilanzierung zur Umsetzung

Die Industriepartner setzen die entwickelten Methoden und Werkzeuge im Rahmen der vier begleitenden Pilotprojekte ein: Dabei werden unterschiedliche Rollen entlang der Wertschöpfungskette mechatronischer Produkte betrachtet: von Komponenten und Modulen bis hin zu komplexen Systemen.

Zum Projekt Product.Zero

Das Projekt läuft seit dem 1. Juli 2026 und wird bis Ende 2028 durch GreenEconomy.IN.NRW im Rahmen des EFRE/JTF-Programms NRW 2021–2027 gefördert.