Projekt Archiblend startet: Produkt- und Unternehmensarchitekturen gemeinsam modellieren

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Die Produktentwicklung im Maschinen- und Anlagenbau ist sehr komplex: Viele Gewerke und Beteiligte, komplexe Prozesse und Abhängigkeiten. Im neuen Forschungsprojekt Archiblend setzen das Fraunhofer IEM und seine Partner genau hier an. Sie wollen Produkt- und Unternehmensarchitekturen systematisch miteinander verknüpfen, um Entwicklungsarbeit transparenter zu gestalten. Insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen verspricht das einen enormen Effizienzgewinn.

Gruppenfoto bei dem Projektpartner Venjakob
© Fraunhofer IEM
Das Archiblend-Konsortium trifft sich zum Arbeitstreffen bei Projektpartner Venjakob.
Zwei Frauen im Vordergrund die sich an der Wand etwas anschauen und im Hintergrund zwei Herren die an einer Tafel Schilder dranhängen
© Fraunhofer IEM / Wolfram Schroll
Im Projekt Archiblend sollen Produkt- und Unternehmensarchitekturen systematisch miteinander verknüpft werden, um Entwicklungsarbeit transparenter zu gestalten.

Wenn bei Venjakob eine neue Lackierlinie für die Möbelindustrie entsteht, sind viele Disziplinen beteiligt, etwa Mechanik, Steuerung, Beschichtungstechnik, Software und Inbetriebnahme. Mehrere Teams arbeiten parallel an verschiedenen Stellen – häufig mit eigenen Modellen, Tools und Abläufen. Ändert sich das Produktdesign, stellen sich wichtige Fragen: Wer muss in der Organisation informiert werden? Welche Auswirkungen hat die Produktänderung auf Abläufe im Unternehmen?

Diese Herausforderungen geht das Forschungsprojekt Archiblend an. Ziel ist es, durch eine harmonisierte Modellierung der Produkt- und Unternehmensarchitektur Transparenz in der Arbeitsorganisation der Entwicklung zu schaffen. Gezielte Verbesserungspotenziale bilden dann die Grundlage für effizienteres Arbeiten.

Entscheidungen und ihre Auswirkungen

In der Praxis wird die Produktkonzipierung meist unabhängig von der Organisationsgestaltung betrachtet. Die Wechselwirkungen zwischen beiden Bereichen bleiben dabei oft unklar – mit Folgen im Projektalltag. „Gerade bei kundenspezifischen Anlagen wirken sich Änderungen am Produkt schnell auf Abläufe, Zuständigkeiten und interne Kommunikationsflüsse aus. Wenn diese Zusammenhänge nicht transparent sind, verlieren wir Zeit und erhöhen das Fehlerrisiko“, sagt Marcel Ortjohann, Projektleiter Archiblend bei Venjakob.

Archiblend erarbeitet hier eine Lösung. „Wir schaffen eine gemeinsame Grundlage, um Produkt- und Unternehmensgestaltung integrativ zu betrachten und gezielt zu verbessern. Organisationen stellen sich so langfristig zukunftsfähig auf“, erklärt Dominik Kürpick, Projektkoordinator am Fraunhofer IEM.

Modellierung für bessere Zusammenarbeit

Das Fraunhofer IEM bringt im Projekt seine Expertise aus dem Enterprise Architecture Management (EAM) und dem Model-Based Systems Engineering (MBSE) ein. Durch die Verzahnung beider Ansätze können die Wissenschaftler:innen Rollen, Verantwortlichkeiten, Informationsschnittstellen und Zusammenarbeitsmodelle in der Produktentwicklung besser aufeinander abstimmen.

Zu Projektbeginn stehen die Entwicklungsprozesse der beiden Anwendungspartner Venjakob und MIT Moderne Industrietechnik im Fokus. Das Konsortium analysiert bestehende Abhängigkeitsmuster zwischen Produkt- und Unternehmensarchitekturen und identifiziert erste Optimierungspotenziale. Die gewonnenen Erkenntnisse sowie die neu entwickelten Modellierungsmethoden sollen anschließend in der Tool-Umgebung der BOC Group als Hersteller von Modellierungswerkzeugen implementiert und erprobt werden. Damit verbunden ist im Rahmen des Projektes auch die Weiterentwicklung der Tool-Landschaft des Projektpartners BOC Group.

Zum Projekt

Im Forschungsprojekt Archiblend arbeitet das Fraunhofer IEM gemeinsam mit BOC Information Technologies Consulting, Venjakob Maschinenbau und MIT Moderne Industrietechnik. Das Projekt ist im November 2025 gestartet und läuft über 3 Jahre.

Archiblend wird im Rahmen des Programms „Zukunft der Arbeit“ durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und die Europäische Union über den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) gefördert.