Digitale Dokumentation: Startup automatisiert die Verarbeitung industrieller Anlagen- und Prozesspläne

News /

Rohrsysteme, Sensorik, Signalflüsse und elektrische Leitungen: In der verarbeitenden Industrie sind komplexe technische Pläne unverzichtbar, liegen jedoch oft nur als Papierdokumente oder unstrukturierte PDFs vor. Die Plattform Veilix AI nutzt Generative KI, um die Verarbeitung dieser Pläne zu automatisieren und damit Dokumentationsprozesse von Wochen auf Stunden zu verkürzen. Ein weiterer Gründungserfolg aus dem GenAI Incubator des Fraunhofer IEM.

Gründer von Veilix AI steht vor Schaltzentrale und hält einen Bildschirm in der Hand.
© Fraunhofer IEM / Janosch Gruschczyk
„Ich wollte ein Werkzeug bauen, das Ingenieur:innen wirklich entlastet“. Rumez Parvi automatisiert die Verarbeitung industrieller Anlagen- und Prozesspläne.

Das Erstellen und Bearbeiten technischer Pläne könnte effizienter sein, denn: viel Wissen steckt in den Köpfen der Ingenieur:innen, nicht in den Systemen. Dokumentationsprozesse dauern oft Wochen statt Stunden. Parvez Rumi stieß erstmals als Werkstudent in der Automobilindustrie auf dieses Problem, wo Ingenieur:innen mit komplexen P&IDs (Rohrleitungs- und Instrumentierungsdiagrammen) und SPS-Schaltplänen zu kämpfen hatten. Das war der Auslöser für die Gründung von Veilix AI. Rumi entwickelte ein Lösungskonzept, das Generative KI, Computer Vision und graphbasierte Modellierung kombiniert, um die Dokumentation von Industrieanlagen intuitiver und intelligenter zu gestalten und eine wertvolle Grundlage für Digitale Zwillinge zu schaffen.

„Ich wollte ein Werkzeug bauen, das Ingenieur:innen wirklich entlastet“

Im GenAI Incubator des Fraunhofer IEM konnte das Team die Idee anhand realer Use Cases und Herausforderungen aus der Industrie weiterentwickeln. „In Gesprächen mit Industrieunternehmen habe ich erkannt, wie viel Zeit und Expertise notwendig sind, um technische Pläne aktuell zu halten. Ich wollte ein Werkzeug bauen, das Ingenieur:innen wirklich entlastet,“ betont Parvez Rumi, der sein Unternehmen Veilix AI 2024 gegründet hat.

Auch künftig setzt der Gründer auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IEM. „Im Innovationsökosystem unseres GenAI Incubators haben wir viele Möglichkeiten, das Startup auch künftig zu begleiten: Von gemeinsamen Pilotprojekten, Feedback aus der Industrie und der Weiterentwicklung von Dokumentationsstandards profitieren beide Seiten“, sagt Tommy Falkowski, Head of GenAI Incubator am Fraunhofer IEM.

Kluge Technologie: So funktioniert Veilix

Veilix AI konzentriert sich derzeit primär auf die automatische Verarbeitung von P&IDs (Rohrleitungs- und Instrumentierungsdiagrammen) und Anlagenmodellen und kann auf Erfahrungswerte aus unterschiedlichen eigenen Pilotprojekten zurückgreifen. Dafür kombiniert die Plattform drei technologische Kernelemente: Generative KI ermöglicht die Anpassung von Plänen auf Basis natürlichsprachlicher Beschreibungen. Mehrere spezialisierte KI-Modelle erkennen Symbole, Strukturen und Verknüpfungen auf technischen Plänen. Und graphbasierte Datenmodelle dienen der Analyse, Validierung und Synchronisation der technischen Dokumentation. Das Besondere: Veilix generiert nicht nur Zeichnungen, sondern versteht Pläne logisch. Änderungen werden automatisch erkannt, betroffene Abschnitte präzise aktualisiert und versioniert. So wird aus statischer Dokumentation ein interaktives, strukturiertes Engineering-Modell, das sich problemlos in Digitale Zwillinge – zum Beispiel ganzer Fabrikanlagen – integrieren lässt. Langfristig ist geplant, neben P&IDs auch weitere Diagrammtypen zu unterstützen (z. B. Stromlaufpläne, elektrische Verdrahtungspläne und weitere fachspezifische Formate).

Effizientere Dokumentation für die Industrie

Die Lösung entfaltet in Branchen mit stark dokumentationsintensiven Prozessen ihre volle Wirkung: Maschinen- und Anlagenbauer, Prozessindustrien, Automotive-Unternehmen sowie Automatisierungs- und Systemintegratoren haben mit fragmentierten Daten, fehlender Standardisierung und zeitintensiven Updates zu kämpfen.

Auf Basis einfacher textlicher oder mündlicher Beschreibungen unterstützt Veilix AI heute vor allem die automatisierte Erstellung und Aktualisierung von Rohrleitungs- und Instrumentierungsdiagrammen (P&ID). Die Plattform erkennt Änderungen in bestehenden Plänen und überarbeitet nur die betroffenen Bereiche präzise. Beide Anwendungsfälle reduzieren den manuellen Aufwand erheblich und beschleunigen die Dokumentation um Wochen.

Jetzt Pilotkunde werden und Effizienz gewinnen

Die Plattform wird derzeit von zwei industriellen Partnern im Pilotbetrieb eingesetzt: einem weltweit agierenden Maschinenhersteller und einem Hersteller von Industrie- und Mörtelpumpen. Der aktuelle Prototyp ist voll funktionsfähig und unterstützt digitale P&IDs, automatisierte Aktualisierungen bei Maschinenänderungen sowie die Integration in ERP- und Engineering-Workflows. „Unsere Pilotpartner erhalten frühzeitigen Zugang zu einer innovativen KI-Lösung, können ihre Anforderungen direkt in die Weiterentwicklung einbringen und profitieren von deutlichen Effizienzgewinnen in der technischen Dokumentation“, hebt der Gründer hervor. Unternehmen, die Interesse an einer Pilotierung von Veilix AI haben, können sich bei Parvez Rumi (E-Mail: parvez.rumi@veilix.ai) melden.