Big Data-Fabrik der EU kommt nach Paderborn

News / 8.3.2018

Wie können Daten aus der Produktion so genutzt werden, dass sie helfen, Betriebsausfälle von Maschinen vorherzusehen und zu vermeiden? Das Fraunhofer IEM und BENTELER errichten im Spitzencluster it’s OWL eine von europaweit zehn Pilotfabriken in Paderborn, die sich diese Frage stellt. Ermöglicht wird dies im EU-Projekt BOOST 4.0 zum Thema Big Data in der Industrie. Am 30./31. Januar 2018 fand das Projekt-Kickoff im Automotive Intelligence Centre (AIC) in Boroa mit Vertretern der Europäischen Kommission und des Spanischen Wirtschaftsministeriums statt.

© Fraunhofer IEM

An zehn europäischen Standorten, etwa in Spanien, Italien, Schweden und auch im BENTELER-Werk in Paderborn entstehen vernetzte Pilotfabriken, in denen erste Projekte rund um die industrielle Datenanalyse und -verwertung getestet und umgesetzt werden. Die Pilotfabriken sind Dreh- und Angelpunkte des EU-Forschungsprojektes BOOST 4.0, dass mit 50 Partnern den europaweiten Austausch zu und die Standardisierung von Big Data in der Industrie vorantreiben will. Um Unternehmen künftig Orientierung zu geben, wie sie die enormen Datenmengen in ihrer Fertigung mit größtem Nutzen verwerten können, entwickeln die Projektpartner von BOOST 4.0 standardisierte Modelle und Werkzeuge für die industrielle Datenanalyse.

»Ein Großteil der in der Fertigung anfallenden Daten sind flüchtig und bleiben ungenutzt«, so Sebastian von Enzberg, Senior Experte für Industrial Data Science am Fraunhofer IEM. »Um aus ihnen Wert zu schöpfen, müssen Daten mit Kontextinformationen versehen, persistent gespeichert und sicher ausgetauscht werden können. Die Datenanalyse selbst muss zur Wertschöpfung beitragen und bedarf struktureller Transformationen von Unternehmensprozessen. BOOST 4.0 legt technologische Grundlagen für die erfolgreiche europaweite Umsetzung der Industrie 4.0-Strategie.«

Maschinenfehler erkennen, bevor sie passieren

Das Fraunhofer IEM entwickelt ein Vorgehensmodell für die Implementierung von vorausschauender Instandhaltung, also etwa Wartung und Inspektion von Maschinen zur Vermeidung von Betriebsausfällen. Dafür werden datengetriebene Modellierungsverfahren (Maschinelle Lernverfahren) genutzt und weiterentwickelt, die zum Beispiel Maschinenfehler erkennen, lange bevor sie passieren. Gemeinsam mit dem Projektpartner BENTELER entsteht in Paderborn bis 2020 eine der zehn Pilotfabriken, in dem die entwickelten Verfahren und Modelle umgesetzt und getestet werden.

Zum Projekt BOOST 4.0

Das Fraunhofer IEM, BENTELER und der Spitzencluster it’s OWL sind Partner des EU-Projektes BOOST 4.0, der derzeit größten europäischen Initiative für Big Data in der Industrie. In die Erarbeitung europäischer Big Data-Standards fließen bestehende deutsche Referenzarchitekturen wie RAMI 4.0 oder der Industrial Data Space mit ein. Methoden und Modelle werden verknüpft und verschiedene Communities und Erfahrungswerte aus Europa zusammengebracht. Der Spitzencluster it’s OWL, in dem Industrie und Forschung seit 2012 an intelligenten technischen Systemen arbeiten, bringt seine Erfahrung im Bereich Technologietransfer ein. In dem auf drei Jahre angelegten Projekt BOOST 4.0 arbeiten 50 Unternehmen (darunter Phillips, Siemens, Volvo, IBM) aus 16 Ländern zusammen. Das Projektvolumen umfasst eine Förderung von rund 20 Mio. Euro durch die Europäische Kommission sowie Investitionen von 100 Mio. Euro durch die teilnehmenden Unternehmen.

Das Projekt BOOST 4.0 wird gefördert durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon 2020 der Europäischen Union.

Infos zum Projekt finden Sie hier oder auf Twitter.