Humanoide Robotik für die Industrie

Wo ist der Einsatz sinnvoll und wie gelingt der Einstieg?

Humanoide Roboter eröffnen neue Potenziale für die Automatisierung und machen technologisch enorme Fortschritte. Gleichzeitig ist es für Unternehmen oft schwer, einzuschätzen, welche Lösungen schon zuverlässig im industriellen Alltag funktionieren und für welche Anwendungsfälle sich der Einsatz lohnt.

Wir unterstützen Sie dabei, geeignete Anwendungen zu identifizieren, humanoide, hybride und klassische Robotiklösungen zu vergleichen und konkrete Anwendungsfälle zu erproben. In unserem Humanoid Robotics Lab in Paderborn arbeiten wir bereits praktisch mit der Technologie.

 

Anwendungsfall besprechen

Wo humanoide Robotik in der Industrie sinnvoll sein kann

Mit humanoider Robotik können Sie buchstäblich ganz neue Wege gehen. Sie wird vor allem dort interessant, wo unterschiedliche Aufgaben in einer Umgebung übernommen werden sollen, die ursprünglich für Menschen gestaltet wurde. Maschinen, Arbeitsplätze, Werkzeuge und Bedienelemente orientieren sich an menschlichen Bewegungen und Fähigkeiten. Humanoide Systeme können deshalb vorhandene Infrastruktur weiter nutzen, ohne dass jeder Arbeitsplatz vollständig neu gestaltet werden muss.

Ob daraus tatsächlich ein Vorteil entsteht, hängt vom konkreten Anwendungsfall ab. Für Unternehmen sind oft gerade die unspektakulären Anwendungen interessant: klar abgrenzbare, wiederkehrende Tätigkeiten mit einem konkreten Automatisierungsbedarf.

Materialtransport und Kommission

Humanoide Roboter bewegen Materialien, Behälter oder Bauteile zwischen Arbeitsbereichen. Ihr Potenzial spielen sie besonders dort aus, wo bestehende Wege und Übergabepunkte für Menschen ausgelegt sind. 

Montage und Fügeprozesse

Vor allem bei wechselnden Produkten und Aufgaben eignen sich Humanoide, um Werkstücke zu greifen, zu positionieren oder Montageschritte zu übernehmen. Feinmotorische Aufgaben stellen weiterhin große Herausforderungen dar.

Maschinen bestücken und verketten

Bauteile einlegen, Werkstücke entnehmen oder Maschinen bedienen: Humanoide Systeme nutzen mehrere Stationen flexibel. So unterstützen sie, wenn eine vollständige Automatisierung jeder Maschine zu aufwendig wäre.

Inspektion und Qualitätskontrolle

Humanoide Roboter prüfen Produkte, Anlagen oder Arbeitsbereiche aus unterschiedlichen Positionen und erfassen relevante Produktions- und Qualitätsdaten. In Produktionsumgebungen sind sie flexibler als herkömmliche Systeme.

Ist ein humanoider Roboter für Ihren Prozess die richtige Lösung?

Ein humanoider Roboter ist nicht automatisch die beste Lösung. Deshalb starten wir nicht bei der Roboterart, sondern bei den Anforderungen in Ihrem Unternehmen.

  • Welche Tätigkeit soll automatisiert werden?
  • Wie stark wechseln Produkte, Abläufe und Arbeitsbedingungen? 
  • Muss sich das System zwischen Arbeitsplätzen bewegen, unterschiedliche Teile greifen, Werkzeuge nutzen oder mehrere Maschinen bedienen? 

Aus diesen Anforderungen leiten wir ab, welche Fähigkeiten ein Robotersystem tatsächlich braucht.

Erst danach vergleichen wir mögliche Lösungen. Je nach Anwendung kann ein klassischer Industrieroboter, ein Cobot, ein mobiles oder ein hybrides Robotersystem einfacher, robuster oder wirtschaftlicher sein. Neben der technischen Funktion betrachten wir auch Integration, Zuverlässigkeit, Safety, Security und Wirtschaftlichkeit.

Vom Anwendungsfall zur passenden Robotiklösung: technisch sinnvoll, sicher und wirtschaftlich bewertet.

Vom Hype zur industriellen Realität

© Fraunhofer IEM / Janosch Gruschczyk

Der nächste Schritt führt in die Praxis. Im Produktionsalltag zählen Wiederholbarkeit, Verfügbarkeit, Sicherheit und Prozessleistung – und diese Anforderungen stellen wir auch an humanoide Systeme.

Eine zentrale Herausforderung liegt in den Daten. Humanoide Roboter benötigen Daten, wie reale Tätigkeiten ausgeführt werden: Wie wird ein Bauteil gegriffen? Welche Bewegung funktioniert bei einer Montage? Wie muss das System auf Abweichungen reagieren? Gerade für spezielle Industrieprozesse sind solche Daten bislang nur begrenzt verfügbar.

Hinzu kommen die Grenzen der heutigen Hardware. Nutzlast, Energieversorgung, Sensoren, Aktoren und mechanische Belastung beeinflussen, welche Tätigkeiten ein System übernehmen kann und wie lange es zuverlässig und präzise arbeitet. Auch funktionale Sicherheit und Cyber Security müssen bei dynamisch bewegten, KI-gesteuerten Robotern von Beginn an berücksichtigt werden. Und schließlich muss sich eine Anwendung wirtschaftlich rechnen. Taktzeit, Integrationsaufwand, Verfügbarkeit und Betriebskosten entscheiden mit darüber, ob humanoide Robotik gegenüber einer anderen Automatisierungslösung sinnvoll ist.

Wir unterstützen Sie dabei, die richtigen Grundlagen zu schaffen, damit humanoide Robotik in Ihrer Produktion künftig Nutzen schaffen kann. So können Sie geeignete Anwendungen früh erkennen, Erfahrungen sammeln und konkrete Prozesse gezielt testen.

Von der Potenzialanalyse zum Pilotprojekt

Sie möchten das Thema Humanoide Robotik kennenlernen oder haben bereits einen konkreten Prozess im Blick? Wir prüfen gemeinsam, welcher Einstieg sinnvoll ist. Je nach Fragestellung laden wir Sie in unser Humanoid Robotics Lab nach Paderborn ein oder kommen direkt in Ihrer Produktion vorbei.

© Fraunhofer IEM / Janosch Gruschczyk

Potenzialanalyse: geeignete Prozesse auswählen

Wir analysieren gemeinsam die Abläufe in Ihrer Produktion und prüfen, welche Aufgaben sich für eine Automatisierung eignen. Dabei klären wir, welche Robotikkonzepte für den jeweiligen Prozess infrage kommen und was die nächsten Schritte sind.

Wir bewerten außerdem, wie sich die Robotikkonzepte in bestehende Abläufe integrieren lassen, welche Anforderungen an Safety und Cyber Security bestehen und unter welchen Bedingungen der Einsatz wirtschaftlich sinnvoll sein kann.

Das Ergebnis: eine priorisierte Auswahl geeigneter Anwendungsfälle und konkrete Empfehlungen für die nächsten Schritte.

© Fraunhofer IEM / Janosch Gruschczyk

Pilotprojekt: Anwendung praktisch erproben

Wenn Sie bereits einen konkreten Anwendungsfall im Blick haben, erproben wir ihn unter kontrollierten Bedingungen. Wir bilden Ihren Prozess nach, wählen geeignete Technologien aus und testen die relevanten Funktionen praktisch.

Dabei zeigt sich, was zuverlässig funktioniert, welche Anpassungen notwendig sind und welche Voraussetzungen für einen späteren Einsatz erfüllt sein müssen. Mit dem Piloten bauen Sie Erfahrungen im Unternehmen auf und machen Mitarbeitende früh mit der Technologie vertraut.

Das Ergebnis: belastbare Erkenntnisse zu Machbarkeit, Integration und Grenzen der Anwendung sowie eine fundiertere Grundlage für weitere Entwicklungs- und Investitionsentscheidungen.

 

Anwendungsfall besprechen

Humanoide Robotik im Humanoid Robotics Lab erproben

Im Humanoid Robotics Lab in Paderborn ermöglichen wir Unternehmen, Technologien und Anwendungsfälle der humanoiden Robotik kennenzulernen und zu erproben. Dafür arbeiten wir mit dem it's OWL-Projekt Stratosfare zusammen und profitieren von einem starken Netzwerk aus Industrie und Forschung.

Was passiert im Humanoid Robotics Lab?

Wir arbeiten mit unterschiedlichen humanoiden Robotersystemen, Simulationslösungen und Technologien für das Training der Roboter. Dazu gehören auch Motion-Capture-Systeme, mit denen menschliche Bewegungen erfasst und als Grundlage für das Anlernen neuer Fähigkeiten genutzt werden können. Anschließend wird untersucht, wie zuverlässig ein Roboter die Aufgabe ausführt und wie er mit Varianten und Abweichungen umgeht.

Warum ist das für Unternehmen interessant?

Wer den Einsatz humanoider Robotik bewerten möchte, braucht nicht direkt ein eigenes System. Gerade in der frühen Marktphase ist gemeinsamer Infrastrukturzugang oft sinnvoller als der direkte Kauf. Im Humanoid Robotics Lab können Sie sich mit anderen Unternehmen austauschen, verschiedene Ansätze kennenlernen und den notwendigen Entwicklungs- und Integrationsaufwand besser einschätzen. Auch für eine mögliche Umsetzung in Ihrer Produktion finden Sie hier die passenden Ansprechpartner des Fraunhofer IEM. 

Das Fraunhofer IEM als zentraler Partner

Wir verbinden unsere Erfahrung in Robotik und Automatisierung mit KI und Engineering. Gemeinsam mit Ihnen übersetzen wir die Anforderungen eines Prozesses in eine technische Aufgabenstellung, vergleichen geeignete Robotikkonzepte und untersuchen, was für eine robuste industrielle Anwendung notwendig ist. Dabei beziehen wir auch Safety und Security ein.
 

Logo von Stratosfare.

Noch am Anfang? Know-how im Team aufbauen

Sie möchten humanoide Robotik zunächst verstehen und selbst ausprobieren?

Im Academy-Training „Humanoide Robotik“ lernen technische Fachkräfte Aufbau, Einsatzmöglichkeiten und Sicherheitsaspekte humanoider Systeme kennen. Praktische Übungen am Roboter und in der Simulation geben einen direkten Einblick in Programmierung und Anwendung.

 

Zum Training Humanoide Robotik

Häufige Fragen zu humanoider Robotik

Hier finden Sie Antworten auf zentrale Fragen zu Einsatzmöglichkeiten, Auswahl und Erprobung humanoider Robotik in der Industrie.

  • Ein humanoider Roboter orientiert sich in Aufbau und Fähigkeiten am menschlichen Körper. Typisch sind ein Rumpf, Arme und Hände sowie Beine oder eine mobile Basis. Dadurch können solche Systeme grundsätzlich Arbeitsplätze, Maschinen und Werkzeuge nutzen, die für Menschen gestaltet wurden.

  • Derzeit werden humanoide und hybride Systeme vor allem in klar abgegrenzten Anwendungen getestet. Dazu gehören unter anderem Materialtransport, Materialbereitstellung, Maschinenbestückung, Handling sowie Inspektionsaufgaben. Viele dieser Einsätze haben noch Pilotcharakter.

  • Nein. Humanoide Robotersysteme können auch eine mobile Basis nutzen. Ob Beine tatsächlich benötigt werden, hängt von der Aufgabe und der Arbeitsumgebung ab. Für viele industrielle Anwendungen können hybride Systeme einfacher, stabiler oder wirtschaftlicher sein. Entscheidend sind die Fähigkeiten, die der konkrete Prozess erfordert.

  • Interessant kann sie werden, wenn Aufgaben wechseln, vorhandene Arbeitsplätze weitergenutzt werden sollen oder Mobilität und flexible Manipulation gefragt sind. Ob ein humanoides System technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, muss jedoch für den jeweiligen Prozess geprüft und mit anderen Automatisierungslösungen verglichen werden.

  • Humanoide Systeme stellen besondere Anforderungen an die Sicherheit, weil sie sich dynamisch bewegen und mit Menschen, Maschinen und digitalen Systemen interagieren können. Kollisionsschutz, Umgebungsüberwachung, Verhalten bei Störungen und Cyber Security müssen deshalb bereits bei der Planung und Erprobung berücksichtigt werden.

  • Am Anfang steht der Prozess, nicht der Roboter. Zunächst werden Aufgabe, Anforderungen und mögliche Automatisierungsalternativen geprüft. Anschließend kann ein geeigneter Anwendungsfall unter kontrollierten Bedingungen nachgestellt und mit verschiedenen Technologien getestet werden. So entsteht eine belastbare Grundlage für die nächsten Schritte.

Sie haben Fragen zu Humanoider Robotik? Wir sind für Sie da.

Sebastian Prinz

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Sebastian Prinz

Abteilungsleiter Robotics and Automation

Fraunhofer-Institut für Entwurfstechnik Mechatronik IEM
Zukunftsmeile 1
33102 Paderborn

Telefon +49 5251 5465358